Die Lesung 2025

Liebe Freundinnen und Freunde der Ukraine,

die Lesung „Wo der Mohn blüht“ aus dem „Ukrainischen Tagebuch“ von Oxana Matiychuk ist bereits die dritte ihrer Art, die wir am 24.02.2023 mit Serhij Zhadans „Himmel über Charkiw“ begonnen und im Jahr darauf mit der Anthologie „Alles ist teurer als ukrainisches Leben“ fortgesetzt haben. Nun also ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24.02.2022 ein weiteres Jahr vergangen und wieder wollen wir mit einer Lesung ein Zeichen setzen, um an den Krieg vor unserer Haustür zu erinnern.
Die Autorin des „Ukrainischen Tagebuch“, Oxana Matiychuk, ist als Literaturwissenschaftlerin an der Universität Czernowitz tätig und gilt als ausgewiesene Expertin der beiden Czernowitzer Literaten Rose Ausländer und Paul Celan. Ihr Tagebuch erschien von Beginn des Krieges an in loser Folge in der Süddeutschen Zeitung in bislang 63 Teilen, im ersten Kriegsjahr noch in dichter Folge und im zweiten in eher lockerer, während sie im letzten Jahr nur noch 2 Einträge einreichte. Die Zeit fordert ihren Tribut.

So schrieb sie uns am 27. Januar auf unsere Frage hin, ob sie uns vielleicht ein Grußwort zukommen lassen könnte: „Ich weiß ehrlich nicht, ob ich es schaffe… Bitte seien Sie mir nicht böse, ich komme gerade an die Grenze meiner Belastbarkeit, weil zu meinen üblichen beruflichen und ehrenamtlichen Pflichten noch die Pflege meiner Mutter kommt, die seit Wochen bettlägerig ist…“ Dazu muss man wissen, dass Oxana Matiychuk vom ersten Tag des Krieges an als Volunteer tätig ist und in dieser Eigenschaft schier Unglaubliches geleistet und auf die Beine gestellt hat, worüber sie, neben ihrem Alltag unter den Bedingungen des Krieges, in ihrem Tagebuch beredt Auskunft gibt, eine Tätigkeit im Übrigen, die sie mit der Hoffnung und dem Gefühl verbindet, „dass man in diesem Leben für vieles verantwortlich sein muss.“
Wir möchten Ihnen aber auch ihr Schreiben vom 12. Februar nicht vorenthalten, dem man entnehmen kann, mit welcher Wucht der Zeitenlauf nach der Wahl Trumps in der Ukraine nachhallt: „Danke für Ihr Verständnis… Ich habe nichts Wichtiges zu sagen, ich habe in den zurückliegenden Jahren auch nichts Besonderes getan. Das einzige wirksame Mittel wäre der persönliche Einsatz beim Militär, in welcher Form und Funktion auch immer. Alles andere ist Imitation und der Versuch, Kompromisse mit schlechtem Gewissen zu machen. … Ich danke jeder und jedem, die die Ukraine unterstützen, sehr herzlich.“

Uns jedoch ist es eine Ehre, aus ihrem Tagebuch lesen zu dürfen. Die Lesung ist wieder eine Kooperation zwischen dem Künstlerkollektiv Vierwärts und dem Verein Ukrainische Sprache und Kultur e.V. in Münster. Mein Name ist Gisela Wuttke vom Künstlerkollektiv Vierwärts, außerdem lesen Svitlana Passon vom Verein Ukraine Sprache und Kultur sowie unsere Freundin und Kollegin Marta Goslicka. Anschließend werden, wie im letzten Jahr auch, die Vocalistinnen des Chores „Tscherwona Kalyna“ uns eine Kostprobe ihres kulturellen Schatzes bieten. Im Anschluss daran haben Sie, wenn Sie mögen, noch Gelegenheit, den Kerzengießerinnen des Vereins Ukrainische Sprache und Kultur ein wenig über die Schulter zu schauen und ihre kleinen Kunstwerke zu bestaunen, die speziell für diesen Tag hergestellt wurden.

Damit endet diese Lesung, in der Hoffnung, dass für und mit der Ukraine ein gerechter Frieden gefunden wird, der Bestand bis in alle Zukunft haben möge.

Münster, 22.02.2025